Ersatzteile im Wettbewerb
Der Ersatzteilverkauf hat zweifelsohne einen bedeutenden Anteil am Servicegeschäft. Umso problematischer ist es für den Herstellerservice, wenn in dieses Geschäft nicht autorisierte Dritte einsteigen. Denn deren Erfolg sorgt möglicherweise für erhebliche Umsatzrückgänge bei den Herstellern von Geräten, Maschinen, Anlagen und sonstigen technischen Systemen. Hierbei profitieren diverse Dienstleister: Zunächst solche, die in der Lage sind, über „3D-Scans“ Bauteile zu vermessen und die Daten fertigungsgerecht zu dokumentieren.
Hinzu kommen dienstleistungsorientierte Fertigungs- und Montagebetriebe, sowie Dienstleister, die das Ganze organisieren und als eigentliche Wettbewerber des jeweiligen Herstellerservice auftreten. Solchermaßen nachgebaute Ersatzteile werden meist billiger zu erwerben sein als die Originale. Ob die Nachbauten aber wirklich bedenkenlos einsatzfähig sind, ist eine andere Sache. Es ist nämlich zu prüfen, inwieweit die Qualitätsmerkmale dieser Ersatzteile tatsächlich mit denen der Originalhersteller übereinstimmen.
Möglicherweise spielen aber auch noch andere Kriterien eine Rolle, die ein kritischer Kunde zum Vergleich heranziehen wird. Und trotzdem: Wenn originale Ersatzteile als überteuert empfunden werden, sind Kunden für billige Ersatzteilplagiate durchaus empfänglich. Eine riskante Angelegenheit bei mangelhafter Funktionsfähigkeit, illegaler Fertigung oder fehlender Zulassung. Doch sicherlich gibt es auch einen legitimen, preiswerten Nachbau von Ersatzteilen mit akzeptabler Qualität. Jedenfalls ist es einfacher geworden Komponenten zu reproduzieren: Die Technologie ist verfügbar, aus einer fertigen Komponente eine technische Dokumentation zu erstellen, um nach dieser zu fertigen. So ganz trivial , dass man ein Objekt nach der Vermessung einfach nachbaut, ist es dann doch nicht; denn die Vermessung bestimmt „nur“ die Form. Das Wissen um Werkstoffe und um Fertigungsmethoden muss immer noch hinzukommen.
Man braucht Erfahrung, wie die Materialien zu behandeln und zu verarbeiten sind. Entsprechende Verfahren müssen eventuell auch zugelassen sein. Schließlich müssen die so produzierten Bauteile bestimmte Spezifikationen erfüllen. Der Nachbau erfordert also ein bestimmtes Know-How. Ist das aber vorhanden, ist nicht nur eine Kopie des Originalteils denkbar, sondern auch dessen Weiterentwicklung. Bei Ersatzteilen bedeutet das beispielsweise, im Vergleich zum Originalteil eine höhere Standzeit zu realisieren. Vielleicht ist für Kunden aber auch eine kürzere Standzeit akzeptabel, wenn dadurch das Bauteil signifikant billiger wird. Wenn also Mindestanforderungen an Qualität und sonstige Spezifikationen nicht durch gesetzliche Bestimmungen festgelegt sind, ergibt sich ein erheblicher Spielraum für die Neugestaltung von Ersatzteilen.Wenn nachgebaute Ersatzteile legal in den Handel kommen, bleibt den Originalherstellern gar nichts anderes übrig, als sich diesem Wettbewerb zu stellen. Und dabei ist sicherlich nicht nur an existente oder potenzielle Wettbewerber in Deutschland zu denken.
Man kann wohl davon ausgehen, dass in der globalisierten Welt Ersatzteile nahezu überall reproduziert werden können. Handelt es sich dabei um zulassungspflichtige Bauteile müssen diese von den zuständigen Zulassungsbehörden freigegeben werden. Sollen solche Bauteile als Ersatzteile auf den Markt gebracht werden, müssen sie also vorher einen entsprechenden Zulassungsprozess durchlaufen. Dabei ist nachzuweisen, dass das jeweilige Bauteil den Anforderungen standhält und entsprechende Voraussetzungen erfüllt. Wer diesen gegebenenfalls kostspieligen Prozess vermeidet und trotzdem anbietet, stellt sich außerhalb der Legalität. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass zulassungspflichtige Bauteile - ohne Zulassung angeboten - keine ausreichende, technische Qualität hätten. Aber nur deren Nachweis berechtigt zur legitimen Vermarktung.Dagegen sind gefälschte Teile oder sogenannte „Bogus Parts“ verboten, also Indizien krimineller Handlungen. Es handelt sich hierbei um zulassungspflichtige Teile, die als Originalteile erscheinen aber relevante Merkmale nicht oder nicht mehr erfüllen.
Die Herkunft ist oft dubios. Zu den möglichen Quellen gehören neben der direkten Fälschung beispielsweise verschrottete oder stillgelegte Systeme, die einfach ausgeschlachtet werden. Das ist natürlich höchst gefährlich, insbesondere wenn es sich dabei um sicherheitsrelevante Komponenten handelt. Ob solche Machenschaften eher eine Randerscheinung darstellen, sei dahingestellt. Es kommt wohl immer mal wieder vor, dass solche Komponenten zum Einsatz kommen. Illegitime oder mangelhafte Bauteile, kann man nur durch strenge Kontrollen rechtzeitig aufspüren. Und verantwortungsbewusste Betreiber führen eine entsprechend lückenlose Dokumentation über Herkunft und Spezifikationen: schon zu ihrem eigenen Schutz.
Wem als Kunde billige Ersatzteile zu riskant sind, kann auch auf billige Reparaturverfahren der Originalteile ausweichen, um das Budget zu schonen. Kein Betreiber kauft gerne eben mal ein neues, teures Ersatzteil, wenn das zu ersetzende Bauteil nur leichte Schäden oder Defekte aufweist. Diverse Dienstleister engagieren sich daher mit billigen Reparaturverfahren, die es ermöglichen, den Reparaturaufwand signifikant unter den Neupreis zu drücken. Sie zielen damit häufig auf Bauteile, die innerhalb der Wartung und Überholung technischer Systeme im Fokus stehen. Damit werden nicht nur die Ersatzteilpreise der Originalhersteller unterboten sondern möglicherweise sogar die Preise der Hersteller von Ersatzteilplagiaten. Unter Umständen führen die Betreiber technischer Systeme solche Reparaturen sogar in eigener Regie durch.
Und höchst spannend wird es, wenn durch solche Verfahren eine Reparaturtiefe realisiert werden kann, die vorher noch als unwirtschaftlich gegolten hatte. Solchermaßen wieder instandgesetzte Bauteile können durchaus gleichwertig zu Neuteilen sein. Eventuell muss aber auch eine im Vergleich zum Neuteil verminderte Standzeit definiert werden. Ein entsprechend zugelassenes Reparaturverfahren erleichtert jedenfalls den Nachweis des erreichten Qualitätsniveaus. Wer als Kunde jedes Risiko scheut, setzt natürlich auch bei Ersatzteilen immer auf den Original-Hersteller, seien es Neuteile oder Austauschteile.
