Integration von Diagnosesystemen
Wo sollen die Daten herkommen, die über einen kritischen Zustand von definierten Bauteilen frühzeitig informieren? Wie sind solche Daten zu verknüpfen, zu administrieren und wie soll die Zugriffsberechtigung organisiert sein? Ein entsprechendes Diagnosesystem stellt sicherlich eine Investition dar und erfordert auch einen entsprechenden Betreuungsaufwand. Außerdem sind hinsichtlich der Datensicherheit und des Datenschutzes gegebenenfalls einige Vorkehrungen zu treffen.
In der Regel ist bei einem Betreiber ein Server installiert, auf dem alle Überwachungsdaten auflaufen und die Auswertungen vorgenommen werden. Und ausgehend von jedem einzelnen Intranet-Arbeitsplatz des Betreiberunternehmens kann über Internet Explorer auf dieses System zugegriffen werden. Gegebenenfalls wird einem externen Service auch ein entsprechender Zugriff eingeräumt. Kompetente Anbieter von Diagnosesystemen sind in der Regel nicht nur versiert in der Entwicklung von Software, sondern auch im messtechnischen Bereich bestimmter technischer Systeme. Ein Diagnosesystem muss gepflegt werden und die Plausibilität der Messungen und Analysen abgesichert sein. Gegebenenfalls wird ein solches Diagnosesystem, insbesondere die installierte Sensorik, über einen Servicevertrag auf einem einsatzbereiten Zustand gehalten. Ein reines Softwarehaus, das ausschließlich eine Überwachungssoftware anbietet, wird da sicherlich entsprechende Partner benötigen. In diesem Zusammenhang stehen Hersteller technischer Systeme zwischen dem Anspruch innovativ zu sein und dem Vorwurf „overengineering“ zu betreiben.
Um überwachungsrelevante Baugruppen standardmäßig mit der erforderlichen Sensortechnik auszustatten, ist erst einmal abzuklären, wie die Kunden dieses „feature“ einschätzen.Zu einer seriösen Beratung hinsichtlich des Einsatzes von Diagnosesystemen gehört jedenfalls zwingend, dass primär die technologische Situation und die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Unternehmens zu klären sind. Erst dann kann entschieden werden ob ein Diagnose-System zum Einsatz kommen soll, welches in Frage kommt und wie es einzusetzen ist. Baugruppen, deren Zustand überwacht werden soll, sind etwa mit internen Zählern oder Merkern ausgerüstet, die den Verschleiß oder die Betriebsdauer erfassen. Es kann aber in Verbindung mit digitalen Ausgängen und einer übergeordneten Steuerung auch eine Betriebsdauererkennung als Hinweis für Reststandzeiten integriert sein. Die spezifische Überwachung von Systemkomponenten zur Ermittlung von Reststandzeiten, also beispielsweise ein kontinuierlich zu messender Parameter, erfolgt über loggen/protokollieren und speichern dieses Parameterverlaufs. Eventuell werden solche Lösungen aber erst in „kommenden Produktfamilien“ angeboten. Eine nachträgliche Implementierung in ältere Baugruppen scheitert in der Regel an zu hohen Investitionskosten.
Bei Anlagen und Maschinen neueren Datums ist es in der Regel Standard, Betriebsdaten zu speichern und Trends zu erfassen. Hersteller von Diagnose-Software verweisen allerdings darauf, dass diese Informationen nur mäßig für die Ableitung von Instandhaltungsstrategien genutzt werden. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn es handelt sich bei dem systemimmanenten Datenspeicher wohl um ein Kurzzeitgedächtnis. Systemimmanente Betriebsdaten haben in der Regel eine Verweilzeit von ca. 30 Tagen nach dem Prinzip: „First in – First out“. Wenn aber ein technisches System etwa für 25 Jahre betrieben werden soll, ist sicherlich von Interesse, wie sich das Verhalten dieses Systems im Laufe der Zeit entwickelt. Insofern ist eine Datenarchivierung gefragt, mit der sich auch zurückliegende Ereignisse nachvollziehen lassen, oder etwa Alterungsmerkmale fortgeschrieben werden können. Und das leistet nur eine entsprechende Diagnose-Software, allerdings mit einigen Varianten. So macht es beispielsweise einen Unterschied ob lediglich „irgendwelche Integralwerte“ ermittelt oder „selektive Analysen einzelner Frequenzbereiche“ durchgeführt werden, die für bestimmte, zu überwachende Komponenten von Bedeutung sind. Darüber hinaus nutzt eine anspruchsvolle Diagnose-Software die Daten der Betriebszustände als Führungsgrößen, um auf bestimmte Situationen triggern zu können: und diese dann auch umfassend auszuwerten.
Nach einschlägigen Informationen wird eine Diagnosesoftware allerdings nicht detailliert mitteilen, was in einer Problemsituation genau zu tun ist. Sie gibt also keine eindeutig definierten Anweisungen. Eine anspruchsvolle Diagnosesoftware wird aber in der Lage sein, ein bestimmtes Ereignis mit unternehmensübergreifenden Erkenntnissen zu verbinden. Und daraus ergeben sich dann „Handlungsanleitungen“, die sich auf Herstellerempfehlungen stützen, die betriebstechnische Anwendererfahrung verarbeiten und auch Überlegungen berücksichtigen , die sich aus Datenbanken herleiten lassen. Für die Lösung einer aktuellen Problemsituation können so ähnlich gelagerte Fälle aus der Vergangenheit als Basis herangezogen werden. Wenn jeder Vorgang in einer zentralen Ereignisdatenbank gesammelt wird, sind Rückschlüsse auf das Verhalten einzelner Komponenten im Laufe der Zeit natürlich immer besser möglich.
Die Forderung der Zustandsüberwachung stellt letztlich die Frage nach den Reststandzeiten einzelner Baugruppen. Und eine Diagnosesoftware unterstützt die Ermittlung solcher Zeiträume. Entsprechende Aussagen verweisen hierbei auf die Notwendigkeit von experimentell oder statistisch ermittelten Basisdaten, die den Betriebsdaten aus dem Lastbetrieb gegenübergestellt werden. Damit werden Prognosen für die verbleibende Standzeit einzelner Baugruppen ermöglicht.
