Systeme unter Beobachtung
Es stellt sich die Frage für welche technischen Komponenten die zustandsorientierte Überwachung tatsächlich Sinn macht: Für eine „Pumpe im Wert von 150.- EUR“ lohnt es sich offenbar nicht, zumal bei preiswerteren Baugruppen ohnehin ein Bypassbetrieb von mehreren Funktionseinheiten vorgesehen wird: Fällt eine Einheit aus wird eine andere zugeschaltet, das ist billiger als jedes Monitoring-System. Sicherlich rentiert sich Zustandsüberwachung aber umso mehr je komplexer die zu überwachenden technischen Systeme sind.
Hohe Sicherheits- und Verfügbarkeitsansprüche können aber nur mit entsprechenden, frühzeitigen Erkenntnissen bedient werden. Letztlich ist es natürlich die Entscheidung eines Betreibers, welche Systeme er überwacht haben möchte, von behördlichen Auflagen einmal abgesehen. Betreiber, die ein Diagnosesystem selbst oder über einen externen Service nutzen möchten denken natürlich in erster Linie daran, die Fristen für Wartungsarbeiten zu strecken. Es geht also darum, nachzuweisen, dass die Belastungen für bestimmte Baugruppen noch in einem unkritischen Bereich liegen und eine geplante Wartung einfach noch nicht fällig ist. Und das wäre natürlich ein bedeutsamer Vorteil, - wenn er sich denn tatsächlich so einstellen würde. Leider kann dieser Vorteil nicht von vornherein einkalkuliert werden, worauf einige „Diagnose-Berater“ hinweisen.
Die Beobachtung von „Produktionssystemen“ hat auch etwas mit deren Betriebskosten, also auch mit dem - sehr aktuellen - Energiemanagement zu tun. Auch das kann mit zustandsorientierter Überwachung optimiert werden, da die hierbei ermittelten Daten entsprechende Impulse liefern. Aber natürlich gibt es da keine automatischen Entscheidungen: Technologisch definierte Prozesse können nicht einfach mal abgeschaltet werden, um Energie zu sparen. Auch wenn es darum geht, Haftungsansprüchen zu begegnen kann ein zustandsorientiertes Diagnose-System sehr nützlich sein. Denkbar sind Forderungen aus Schäden, die aus einem – tatsächlich oder vermeintlich – unzulässigen oder nicht vereinbarungsgemäßen Systembetrieb resultieren.
Wird die Systemnutzung ereignisorientiert und kontinuierlich auf einem Server abgelegt, so kann ein entsprechender Nachweis geführt werden. Wenn eine „größere“ Anzahl gleichartiger Systeme mit einer marktbedingten Auslastung von vielleicht 65 % betrieben werden, hat der Betreiber sicherlich keinen gesteigerten Bedarf an einer automatisierten Zustandsdiagnose. Schließlich kann auch der kurzfristige Ausfall eines Systems leicht abgefangen werden. Wenn aber auf der anderen Seite beispielsweise unikate Systeme betrieben werden, sieht das schon anders aus. Ein entsprechendes Störungsaufkommen kann hier schnell chaotische Verhältnisse schaffen. Hier bringt ein Diagnosesystem die erforderliche Übersicht.
Wie ein Unternehmen so ein Diagnosesystem nutzen sollte, hängt sicherlich auch von der „Betriebsform“ ab. Wenn ein saisonal bedingter Betrieb zu betreuen ist, kommen den Vorbereitungen im Vorfeld natürlich eine viel größere Bedeutung zu. Da herrschen andere Bedingungen vor als in einem kontinuierlich ablaufenden Betriebsprozess.
