Klimazonen verstoßen gegen die Norm

Natürlich sind die Klimazonen verantwortlich, wenn Klimaanlagen in deutschen ICEs unzureichend dimensioniert sind. "Niemand ging von 35 Grad aus" - heißt es laut Stern-Bericht- , als die ICEs nach der gültigen europäischen DIN-Norm für Klimaanlagen ausgelegt wurden; es konnte nun auch wirklich niemand damit rechnen, dass sich die deutsche Klimazone plötzlich an spanischen Spezifikationen orientiert.

Besagte Norm ist die DIN EN 13129-1; Bahnanwendungen - Luftbehandlung in Schienenfahrzeugen des Fernverkehrs - Teil 1: Behaglichkeitsparameter; Deutsche Fassung EN 13129-1:2002. Die hierbei zu erwartenden höchsten Außentemperaturen liegen:

  • für Spanien, Griechenland, Italien und Portugal als "Klimazone I" bei +40° C
  • für Deutschland in der "Kimazone II" bei +35° C

Bei der Erarbeitung der DIN EN 13129-1 waren unter der Sekretariatsführung Frankreichs System- und Komponentenhersteller sowie Betreiber aus ganz Europa beteiligt; hauptsächlich aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Diese Europäische Norm wurde 2002 erstmalig verabschiedet. Vorher galt offenbar der Standard des Internationalen Eisenbahnverbands (UIC) für Klimaanlagen: UIC 553 "Lüftung, Heizung und Klimatisierung der Reisezugwagen"; in der fünften Ausgabe aus dem Jahr 1990.

Konkret: Betreiber wie Systemhersteller haben ein vitales Interesse daran, dass die Klimatisierung ihrer Schienenfahrzeuge so ausgelegt ist, dass sie problemlos läuft; und bei entsprechender Klimakompetenz sollte dann auch einkalkuliert sein, dass “klimatische Normalwerte” zunehmend Grenzen überschreiten. Dieses Risiko wurde in der DIN EN 13129-1 offensichtlich noch nicht ausreichend gewürdigt; man darf demnach gespannt sein, ob vielleicht in einer der nächsten Aktualisierungen eine Art “Risikofaktor” etabliert wird; denn kurzfristige Anpassungen der Norm an “klimatische Normalwerte" sind wohl kaum realisierbar.

Artikel abgelegt unter: DIN, Norm, Schienenfahrzeug, Standard